Die Genfer Universitätsklinik versorgt 450.000 Einwohner und beschäftigt 1.300 Ärzte sowie 3.400 Pflegekräfte. Das Simulationsprogramm an der Universitätsklinik Genf (SIMULHUG) wurde 2007 ins Leben gerufen. Dr. Savoldelli, beratender Anästhesist am Krankenhaus und treibende Kraft des Programms, wollte den Ärzten, Pflegekräften und Medizinstudenten im Krankenhaus bessere Trainingsmethoden bieten. Er war überzeugt, dass die Simulation eine effektive Möglichkeit zur Verbesserung der medizinischen Fähigkeiten der Einzelnen sowie der Leistung der interdisziplinären Teams sei.

Von anderen lernen

Bevor er in das Programm einstieg, besuchte Dr. Savoldelli das St. Michael’s Hospital an der Universität von Toronto sowie das Center for Medical Simulation, Harvard, Cambridge, Massachusetts, an denen das Simulationstraining bereits ein fester Bestandteil war. Er wollte dort die Simulationsprozesse genauer kennen lernen und sehen, wie derartige Programme entwickelt werden können. Mit finanzieller Unterstützung von der Krankenhausverwaltung und bereitstehenden Einrichtungen dauerte es gerade mal ein Jahr, um das SIMULHUG zum Laufen zu bringen.

Das Programm konzentriert sich vor allem auf den multidisziplinären Umgang mit kritischen medizinischen Situationen, die für praktische Übungen simuliert und anschließend von Dozenten beurteilt werden. Das umfassende, von Dozenten geleitete Debriefing wertet das Training weiter auf. Dabei können sich die Teilnehmer ihre Aktionen noch einmal ansehen und das Gelernte in ihrem Klinikalltag effektiv umsetzen, und zwar jeder Einzelne für sich sowie auch als Mitglied eines Teams.

Die Trainingsausrüstung zur Unterstützung des SIMULHUG-Programms umfasst folgende Patientensimulatoren: 1 SimMan, 1 SimBaby, 1 SimNewB, 4 Resusci Anne sowie eine Reihe von Trainings- und Übungsmodellen. Alle Szenarios sind selber erstellt und mit bisher mehr als 35 verschiedenen ausgearbeiteten Fällen vorprogrammiert. In 2008 – dem ersten Jahr – wurden rund 250 Ärzte, Pflegekräfte und Studenten geschult. Die Teilnehmer kamen aus den Bereichen Anästhesie, Pädiatrie und Neonatologie. Das Programm wird noch weiterentwickelt und soll auch Notfall- und Intensivstationen, dem Trauma-Team, Ambulanzpersonal sowie Pflegekräften von Krankenstationen zugänglich gemacht werden.

Verpflichtung zum Simulationstraining

Vorausblickend entwickelt die Schweiz derzeit einen neuen, nationalen Lehrplan für ein Aufbautraining in der Anästhesie nach Abschluss des Studiums. Das Simulationstraining soll einen wesentlichen Teil der Lehrplanreform ausmachen und für Anästhesisten verpflichtend sein. Aufgrund des Erfolgs des SIMULHUG hat es sich die Genfer Universitätsklinik zum Ziel gesetzt, als regionales Ressourcenzentrum für medizinisches Simulationstraining in der Schweiz zu fungieren.