Der Formel 1 Rennsport ist eine der aufregendsten und beliebtesten Sportarten der Welt mit weltweit schätzungsweise mehr als 600 Millionen Fernsehzuschauern. Mit einer ständigen Weiterentwicklung des Sports im Laufe der Jahre, immer schnelleren Autos und steigenden Gefahren für die Fahrer, kommt der Sicherheit in diesem Sport eine ganz besonders hohe Bedeutung zu.

„Siegen reicht nicht“

In der Anfangszeit der Formel 1 waren Rennunfälle unvermeidbar und gehörten zu einer Grand-Prix-Erfahrung mit dazu. In seinem Buch „Winning is Not Enough“ (Siegen reicht nicht) bemerkte Sir Jackie Stewart OBE: „Wenn man zwischen 1963 und 1973 als Rennfahrer tätig war, musste man die Wahrscheinlichkeit ums Leben zu kommen, akzeptieren – nicht die Möglichkeit, sondern die Wahrscheinlichkeit. Laut Statistik sah es in diesem Zeitraum so aus, dass ein Formel 1 Fahrer, der mindestens fünf Jahre lang Rennen fuhr, mit höherer Wahrscheinlichkeit auf der Rennbahn ums Leben kam als wohlbehalten in Ruhestand zu gehen.“

Für mehr Sicherheit musste sich unbedingt etwas ändern

Sir Jackie Stewart und die Fahrervereinigung Grand-Prix-Drivers' Association stießen in der Welt der Motorsportsicherheit zahlreiche wichtige Veränderungen an. Schließlich griff Professor Sid Watkins die Kampagne auf und wurde der offizielle Arzt der FIA (der Dachverband des Motorsports). Er hatte diese Position 26 Jahre bis zu seinem Rücktritt im Jahre 2004 inne. Während dieser Zeit verbesserte er die Sicherheitsstandards und führte bei den Grand-Prix-Rennen der Formel 1 neue Richtlinien ein, um so Neuerungen einzubringen, die die Fahrersicherheit deutlich erhöhten.

Nach dem Rücktritt von Professor Watkins übernahm Dr. Gary Hartstein die Position des offiziellen Arztes und ist heute der Medizinische Rettungskoordinator der FIA.

Jüngste Fortschritte in der Sicherheitskonstruktion haben den zu erwartenden Schweregrad von unfallbedingten Verletzungen drastisch verringert. Das bedeutet, dass es heutzutage weitgehend von der Qualität der medizinischen Versorgung abhängt, wie gut Unfallopfer davonkommen.

Da medizinische Eingriffe bei Unfällen im Motorsport selten sind und komplexe interdisziplinäre Interaktionen erfordern, erkannten Dr. Hartstein und sein Team, dass ein Simulationstraining die ideale Möglichkeit wäre, um die Versorgung zu bewerten und zu verbessern. Der Advanced Life Support-(ALS-)Simulator von Laerdal wurde als interaktives Trainingsmodell für die Simulation verschiedenster erweiterter Lebensrettungsmaßnahmen bei medizinischen Notfällen eingeführt.

Der Simulator reagiert auf klinische Intervention, Instruktorsteuerung sowie vorprogrammierte Szenarios für eine wirksame Diagnose und Behandlung eines Patienten. Mit Spontanatmung, Atemwegskontrolle, Sprache, Tönen, EKG sowie vielen weiteren klinischen Funktionen ist der ALS-Simulator ein voll funktionsfähiger Simulator für die Notfallversorgung. Dr. Hartstein dazu: „Der ALS-Simulator von Laerdal dient als Werkzeug zur Reproduktion typischer Verletzungen und reagiert auf Behandlungseingriffe. Da der Simulator programmiert werden kann, sind wir außerdem ganz flexibel in der Lage, den „klinischen“ Verlauf der Simulation zu ändern und damit die dynamische Natur dieser Patienten genau nachzustellen.“

Teamwork ist alles

Dr. Ian Roberts, Berater in der Anästhesie und Intensivpflege am George Eliot Hospital, Nuneaton, sowie Chief Medical Officer für Silverstone und den Britischen Grand Prix, fügt noch hinzu: „Das Ärzteteam des Grand Prix in Silverstone setzt sich aus erfahrenen Fachleuten in verschiedenen Fachbereichen der Akutmedizin zusammen, die allesamt ein Interesse am Motorsport haben. Alle üben während der offiziellen Rennsaison und den zu der Zeit stattfindenden Versammlungen ein Amt aus, und sind es gewohnt, im Team zu arbeiten. Im Sinne einer professionellen Teamarbeit kamen sie für den Grand Prix zusammen. Bereits seit mehreren Jahren führen wir Simulationsübungen durch, bei denen (normalerweise) ein Freiwilliger als verletzter Fahrer fungiert. Der Einsatz des ALS-Simulators von Laerdal verleiht der Übung aber noch eine weitere Dimension. Jetzt können verschiedenste Verletzungen vom Unfallort an der Rennstrecke bis hin zum Medical Center und dem Transport zur endgültigen Versorgung geprobt werden. Die Fähigkeit, als Team reibungslos zusammenzuarbeiten, ist in jedem sportlichen Bereich sehr wichtig, besonders aber, wenn man den Blicken einer weltweiten Zuschauerschaft ausgesetzt ist.“

Mark Webber, Sieger des Deutschen Grand Prix und Sprecher der Fahrervereinigung Grand Prix Drivers' Association meint: „Wir erkennen das fortwährende Bestreben um mehr Sicherheit durch die FIA an und zählen auf jeder Rennstrecke darauf, dass das Ärzteteam neueste Technologie einsetzt, um ihre Fähigkeiten noch weiter zu optimieren.“