Das geographisch sehr heterogene Gebiet der Provinz Bolzano-Bozen in Südtirol, bestehend aus wenigen flachen Talsohlen, stellt an die Notfallversorgung und Krankentransporte ganz besondere Ansprüche. In der flächenmäßig größten Provinz Italiens verwalten Bozen und Meran sehr große Krankenhäuser, und weitere sechs kleinere sind in der gesamten Region strategisch verteilt.

Herausforderungen für den Rettungsdienst Weißes Kreuz

Verstreute Dörfer in einer typisch alpinen Landschaft mit wechselhaften Wetterbedingungen sowie steilen und gewundenen Bergstraßen stellen den Rettungsdienst ständig vor große Herausforderungen. Der wichtigste Rettungsdienst der Region, das Weiße Kreuz, wurde 1965 mit dem Ziel gegründet, kranken und verletzten Personen Hilfe zu bieten und einen sicheren Transport ins Krankenhaus zu gewährleisten. Auf dem europäischen Kontinent ist das Weiße Kreuz heute einer der größten Rettungsdienste. Die Zentrale sowie die größte Ambulanzstation sind in der Hauptstadt von Bolzano-Bozen angesiedelt. Neben dem Verwaltungszentrum, den Schulungseinrichtungen und Werkstätten, befindet sich dort auch die Hauptbasis für die Luftrettung.

Organisation des Rettungsdienstes 

Die Dispositionszentren sind mit Personal (einschließlich Ärzten) besetzt, die bei jedem Notfall genau abschätzen können, welche Ressourcen benötigt werden. Da das italienische Ambulanzpersonal weniger Patientenbetreuungsaufgaben selber ausführen muss wie andernorts, wird es von Notfallärzten unterstützt (die entweder kleine, gut ausgestattete „Rendezvous“-Fahrzeuge oder Hubschrauber nutzen), wenn weitere medizinische Unterstützung notwendig ist. Die Rettungswagen sind mit zwei Komplementärmedizinern und manchmal auch einer Pflegekraft besetzt und in der Regel mit hochmoderner Notfallausrüstung ausgestattet wie HeartStart MRx mit einem EKG mit 12 Ableitungen, Kapnografie, SpO2 /BP und QCPR (für korrekte CPR).  Die meisten Transportambulanzen sind mit Notfallprodukten wie Defibrillatoren und Halskrausen ausgestattet.



Training

Die Komplementärmediziner werden in der eigenen Ambulanzschule des Weißen Kreuzes ausgebildet. Die Ausbildung orientiert sich dabei an den nationalen und regionalen Standards. Sie ist in drei Stufen unterteilt, die jeweils mit einem Examen abgeschlossen werden. Erstklassige Komplementärmediziner haben 260 Stunden an theoretischer Ausbildung und mindestens 160 Stunden an praktischer Ausbildung absolviert. Jährlich muss in bestimmten Disziplinen eine Auffrischschulung mit einer erneuten Zertifizierung durchlaufen werden. Das Weiße Kreuz bietet eine spezielle Schulung für eine Gruppe von Komplementärmedizinern, Krankenpflegekräften und Ärzten, um sicherzustellen, dass diese für einen Einsatz bei widrigen Witterungsbedingungen, die in den Hochalpen auftreten können, gerüstet sind.

Simulationsübungen

Das Weiße Kreuz setzt seit jeher Patientensimulatoren ein. Für Schulungszwecke finden jetzt sowohl SimMan als auch SimBaby aktiv Anwendung. Jedes Szenario wird audio-visuell aufgezeichnet. Bei den anschließenden Debriefing-Sitzungen wird dann die DVD analysiert, um noch mehr Nutzen aus den Simulationsübungen zu ziehen.

Qualitätssicherung

Das Weiße Kreuz legt großen Wert auf Qualitätssicherung. Der Dienst hat eine professionelle Trainingsabteilung eingerichtet, die neben einer grundlegenden Ausbildung in EMT und Komplementärmedizin auch dafür sorgt, dass das bereits angeeignete Wissen und die praktischen Fähigkeiten erhalten bleiben. Für eine ständige Verbesserung der Fähigkeiten und um eine sichere und optimale Patientenbetreuung zu gewährleisten, hat sich das Weiße Kreuz für die Einführung von QCPR entschlossen. Es bietet in Form von auf der Brust des Patienten aufgesetzten Sensoren Feedback über die Qualität der Herzdruckmassage (in Übereinstimmung mit den Richtlinien des Italienischen Resuscitation Council). Dank dieser neuen Technologie kann das Weiße Kreuz jetzt eine gleichbleibend hohe Qualität der CPR-Behandlung gewährleisten.  

Projekte für höhere Überlebenschancen

Das Weiße Kreuz Südtirols stellt seine Dienste nicht nur der eigenen Bevölkerung zur Verfügung – es kümmert sich auch um die Millionen Touristen die das Gebiet jedes Jahr besuchen. Im ehrlichen Bestreben nach mehr Sicherheit und besseren klinischen Ergebnissen hat die Organisation schon mehrere Projekte ins Leben gerufen.

1. CPR-Schulung für die Bevölkerung

Mindestens 4000 Schulkinder sollen jährlich am selbstgesteuerten MiniAnne/CPRAnytime-Programm teilnehmen und die Anwendung der CPR erlernen und praktizieren. Dieses Projekt wird von den Forschungsarbeiten von Professor Uwe Kreimeier, MD, Privatdozent am Klinikum der Universität München, und seinem Team begleitet.

2. Verbreitung von Erste-Hilfe-Kenntnissen

 Um mehr Menschen zu ermutigen, sich Erste-Hilfe-Kenntnisse anzueignen, hat das Weiße Kreuz einen kostenlosen intelligenten Erste-Hilfe-Leitfaden für das iPhone und/oder den iPod Touch herausgebracht. Die Anwendung, die auch auf anderen Smart-Telefonen einsetzbar ist, steht auf Deutsch, Italienisch und Englisch zur Verfügung. Bisher wurde sie weltweit mehr als 250.000 Mal heruntergeladen. Um das APP herunterzuladen, klicken Sie hier: http://itunes.apple.com/WebObjects/MZStore.woa/wa/viewSoftware?id=295175159&mt=8