Das mit dem jährlichen Wohltätigkeitsball des St Vincent's Hospital in Betrieb genommene Sydney Sim Centre war zunächst noch ziemlich bescheiden. Heute ist das zunächst nur mit einem geliehenen Trainingsmodell, Fernseher, Camcorder und ziemlich viel Enthusiasmus ausgestattete Ausbildungszentrum sechs Tage die Woche geöffnet und trainiert Hunderte eigener Mitarbeiter auf der Grundlage eines Konzepts, das verschiedene Disziplinen anspricht.

 

Einer alten Station wird neues Leben eingehaucht

Vom früheren Chairman of the Australian Resuscitation Council Professor Don Harrison ins Leben gerufen ergriff das Simulationsteam begeistert die Gelegenheit zum Einsatz eines Trainingsmodells SimMan, das damals beim St Vincent's Private Hospital in Verwendung war. 

“Die Reaktionszeiten bei der Wiederbelebung lassen sich immer verbessern,” so CPR-Koordinator Alex Pile. “Für uns ist ein Simulationszentrum eine große Hilfe für unsere eigenen Ausbildungsprogramme.” Mit finanzieller Unterstützung vom St Vincent's Hospital und in Zusammenarbeit mit der University of NSW wurde das Zentrum 2005 in einer denkmalgeschützten Station von Florence Nightingale eingerichtet. Der Bereich bietet perfekt Platz für die Einrichtung eines langen zentral gelegenen Studios mit problemlosem Zugang zu den Kontroll- und Debriefing-Räumen, Büros und Lagerräumen und konnte so gestaltet werden, dass er problemlos von allen genutzt werden konnte.

 Eine Vielzahl verschiedener Kamerawinkel kann das Geschehen erfassen. Außerdem gibt es Computer, auf denen der „Fall“ in allen Einzelheiten dargestellt wird, mit EKG, Röntgenaufnahmen des Thorax und den vorliegenden Symptomen. Besonders gut ist, dass ein normaler Camcorder für eine vereinfachte Aufzeichnung angeschlossen werden kann, falls alles andere ausfällt.

 

Jeder ist willkommen

Die Szenarien zu erweiterten lebensrettenden Maßnahmen im Simulationszentrum umfassen derzeit bis zu 14 Pflegekräfte und zwei Ärzte gleichzeitig, die jeweils eine andere Aufgabe ausführen oder die Aktivitäten der Teilnehmer beobachten. Anästhesisten, Mitarbeiter der Intensivstation, Notaufnahme und Kardiologie sowie aus einer Reihe weiterer Bereiche trainieren die ganze Woche über. Einige der Szenarien können auch bei mehreren dieser Abteilungen eingesetzt werden. Spezielle Workshops beschäftigen sich mit einer Verschlimmerung des Zustands eines Patienten oder dem Atemwegsmanagement.

Notärztin Melinda Berry unterrichtet zwei Tage pro Woche im Zentrum und beobachtet, wie viele Kleinigkeiten einer Situation mehr Realitätsbezug geben können. “Wie ein echter Rettungsassistent gebe ich den Teilnehmern rund fünf Minuten vorher Informationen zu dem Fall, damit sie sich bereit machen können. Dann ziehe ich mich an wie einer der Rettungsassistenten und fahre das Trainingsmodell herein, schließe es an das System an und mache die Übergabe.” Statt Fällen aus dem Lehrbuch werden hier Fälle aus dem Alltag des St Vincent behandelt.

 

Ein Konzept ohne Hierarchien

Das Zentrum bekam die Gelegenheit zur Förderung hervorragender Teamarbeit, nicht nur zwischen den verschiedenen Abteilungen, sondern auch zwischen den verschiedenen Rollen. “Keiner sagt „das ist mein Gebiet und meine Zeit“,” weiß Pile zu berichten. “Es gibt keine Hierarchien „Ich bin Arzt und du Pfleger“. Bei dem Training sind Entscheidungsfreudigkeit und Kommunikation zwischen den Kollegen gefragt.” 

Dr Berry hat außerdem erlebt, dass die langjährige Geschichte getrennter Ausbildung für Ärzte und Pflegekräfte jetzt letztendlich unter dem Dach des Simulationszentrums vereint wird. “In der Praxis müssen sie sich auch gemeinsam um die Patienten kümmern. Deshalb kombinieren die meisten Kurse jetzt die Bereiche Krankenpflege und medizinische Versorgung – und das wurde sehr positiv aufgenommen.”