Mehr als 74 Prozent aller Unstimmigkeiten im Gesundheitsbereich sind auf mangelhafte Kommunikation zurückzuführen. Diese erhellende Statistik lässt darauf schließen, dass alle medizinischen Fachkräfte in der richtigen Trainingsumgebung von einer völlig neuen Form der Ausbildung profitieren könnten, in der Kommunikation, Teamarbeit und Führungsqualität im Vordergrund steht.

 

Das "ECU Health Simulation Centre" an der Edith Cowan University unter der Leitung von "Associate Dean of Health", Professor Cobie Rudd, wurde von der Universität finanziert und 2007 in Betrieb genommen. Hochqualifizierte Experten aus dem Bereich der Simulation, darunter Dr. Brendan Flanegan in Abstimmung mit der Studentenschaft, gestalteten dieses Simulationszentrum nach ausführlichen und umfangreichen Beratungssitzungen. Dabei zeigte sich, dass die Studenten nicht nur besonderen Wert darauf legten, ihre Kompetenz zu verbessern und hohes Selbstvertrauen zu gewinnen, sondern dass dieses Training auch langfristig - ebenso nach ihrem Abschluss - noch von Nutzen sein sollte. Anlässlich der oben zitierten Statistik wollte die ECU ihren Studenten eine „weiche Landung“ ermöglichen und die Chance bieten, die künftige Kapazität ihrer Partner in einer völlig neuen Trainingsumgebung zu entwickeln.

 

Hervorragende Ergebnisse durch gute Planung

Bei der Planung des Zentrums entstanden sehr viele Ideen, die eine Bewertung der Probleme rund um das Gesundheitssystem ermöglichten. Eine wichtige Aufgabe bestand darin, immersive, flexible und möglichst realitätsgetreue Szenarien aus dem Klinikumfeld zu entwerfen. Auf diese Weise lassen sich alle möglichen Situationen konstruieren. Vom Umgang mit Aggressionen in einer Arztpraxis über Präsentationen zur Pflege psychisch Kranker bis hin zu forensischen Untersuchungen in den Abteilungen der Notfallmedizin.

 

Eine voll und ganz simulierte Erfahrung

Die Einrichtung umfasst drei vollständig in sich abgeschlossene Simulationsbereiche, jeweils mit einem Debriefing-Raum, Kontrollraum und einem Beobachtungsbereich. Dabei wird sichergestellt, dass niemand den Bereich verlässt, bis das Debriefing abgeschlossen ist. Auf diese Weise können verschiedene Arten von Simulationen gleichzeitig durchgeführt werden. Auch gefahrenreiche Situationen werden simuliert, darunter durch Drogen und Alkohol hervorgerufene Gewalttätigkeiten, starke Traumata und Triagen sowie Notgeburten. 

Der Versuch, die Simulation in allen Lehrplänen des Gesundheitswesens zu verankern, verlangt nach einem äußerst kreativen Denkansatz. Zu dem ECU-Team gehören verschiedenste Fachkräfte aus dem Gesundheitswesen. Zudem beschäftigt das Zentrum Schauspieler, die den Szenarien, die auf echten Fällen basieren,  besondere Authentizität verleihen sollen. 

Professor Rudd weist darauf hin, dass sich selbst negative Trainingsergebnisse letztendlich positiv auswirken können. “Wenn wir tatsächlich erlebte Widrigkeiten oder Abläufe, die beinahe schief gegangen sind, als Grundlage für Szenarien verwenden, die in einer sicheren, aber trotzdem authentisch simulierten Lernumgebung „durchgespielt“ werden, können wir künftig bessere Ergebnisse erzielen”.

Der auf Evidenz basierende Ansatz

Von dem Zentrum profitieren zahlreiche Industriepartner der Universität im ganzen Land. Dadurch wiederum werden verschiedenste Interessengruppen aus unerwarteten Bereichen angesprochen. Die "Corruption and Crime Commission in WA" ist an den Arbeitsweise im Zentrum interessiert - insbesondere in Gewaltsitutationen und den Behandlungsmethoden in der Abteilung der Notfallmedizin. Risikomanager im Hochschulbereich und bei Versicherungsgesellschaften wünschen sich Informationen zu dem auf Szenarien basierenden Lernansatz des ECU, um die Kommunikation innerhalb der Teams und Organisationen zu verbessern.

Zu diesem starken Interesse seitens der Industrie äußert sich Professor Rudd wie folgt: “Wir haben Benutzer und Studenten nach ihrer Meinung und ihren Lösungsmöglichkeiten befragt. Nach einer gründlichen Untersuchung wollten wir feststellen,  was mit der Simulation erreicht werden kann und haben ein Pilotprojekt durchgeführt. Alles lief sehr gut, sodass wir darauf aufbauen konnten. Jetzt gehen wir auf eine andere Weise an die Materie heran und liefern einen Mehrwert, da wir nicht einfach das nachahmen, was andere tun.”