„Untersuchungen haben gezeigt, dass die vorhandene Kenntnisse zur Akutversorgung beim Pflegepersonal häufig unzureichend sind“, erklärt Dozentin Seija Tiainen von der Fachhochschule Tampere. „Diese Erkenntnis sowie die Tatsache, dass unsere Studierenden um zusätzliche Schulungen gebeten haben und die Universität positiv dazu eingestellt war, haben uns dazu bewogen, unsere Kenntnisse im Bereich der Reanimation zu erneuern und zu verbessern.“

 

Erweiterung des CPR-Schulungsprogramms

Die Studierenden im Bereich der Krankenpflege erlernen CPR im Rahmen eines Erste-Hilfe-Kurses im ersten Studienjahr. Auf die Vermittlung der theoretischen Kenntnisse folgen dabei kurze praktische Übungen an Trainingsmodellen. 

Gegen Ende des zweiten Studienjahres erfolgt eine Aufteilung in Gruppen von 8 bis 12 Studierenden. Ein Tutor bringt diesen Gruppen die wesentlichen Prinzipien der Reanimation näher und demonstriert die professionelle Ausführung von CPR-Techniken.

Im Anschluss arbeiten die Studierenden mit der ReTampere nursing student practicing ventilations.susci Anne Skills Station - einemTrainingsmodell für Self-Directed Learning. Das Training wird von einem audiovisuellen Feedbackprogramm begleitet, wo es z.B. um die die korrekte Platzierung der Hände, und um die Qualität der Beatmung und der Thoraxkompressionen (Frequenz, Drucktiefe etc.) geht. Nach dieser ersten Trainingsphase können die Studierenden diverse Schulungszeiten in dieser Station buchen und dabei angeben, wie lange sie voraussichtlich brauchen werden, um das Lernziel zu erreichen. Nach Abschluss dieser Schulung reservieren die Studierenden einen weiteren Termin zur Überprüfung der neu erlernten Fertigkeiten. Die Resusci Anne Skills Station ermittelt, ob die Studierenden die Kriterien erfüllen. Mindestens 75 Prozent an korrekt ausgeführten Beatmungen und Kompressionen müssen erreicht werden. 

 

Höhere Qualität der Patientenversorgung durch bessere Ausbildung

Das neue Programm zum Erlernen und Erweitern von Reanimationsfähigkeiten hat das Leistungsniveau der Studierenden deutlich verbessert: Die Bestehensquote ist um 5 Prozent (auf nunmehr 75 Prozent) gestiegen. „Wir haben hier regelrecht einen neuen Weg für das effiziente Erlernen der Reanimation beschritten“, hebt Seija Tiainen hervor. „Zunächst erlernt man CPR auf dem Niveau von Laien (gemäß den Vorgaben des Finnischen Roten Kreuzes), danach die Beatmung mit Kompression und unter Verwendung von Beatmungsfolien mit Einwegventil. Zu einem späteren Zeitpunkt wird die Reanimation an der Resusci Anne Skills Station paarweise geübt. Abschließend folgt die Vermittlung des Advanced Life Support sowie von Kenntnissen im Bereich der Gruppendynamik und des Managements. Hierzu wird ein Simulations-Intensivkurs mit darauf folgendem Debriefing angeboten.“

Laut Seija Tiainen haben viele Studierende anfangs den Eindruck, dass das Durchführen der Kompressionen recht einfach ist, obwohl dies definitiv nicht der Realität entspricht. Bei den Übungen weist automatisiertes Sprachfeedback auf unzureichende Leistungen hin. Vielen Studierenden wird erst dann bewusst wie wichtig die richtige Technik, der richtige Rhythmus und das Kontakthalten mit den Händen ist. Seija Tiainen dazu: „Von Zeit zu Zeit stoße ich zu den Studierenden und vermittle ihnen die richtige Vorgehensweise. Manchmal dauert es recht lange, bis sie alles richtig umsetzen, aber am Ende beherrschen alle die korrekte Technik, auch wenn die Messlatte ziemlich hoch liegt.“

Das Schritt-für-Schritt-Verfahren zum Vermitteln von Reanimationsfähigkeiten hat sich an der Fachhochschule mittlerweile durchgesetzt, so Seija Tiainen: „Es geht darum, dass wir die Basic-Life-Support-Fertigkeiten unserer Pflegekräfte verbessern möchten. Wir müssen diese Fertigkeiten deshalb auch analysieren.“

 

Ergänzende Methoden gemäß der Lehrmethoden der heutigen modernen Zeit

Die Lehrkräfte in Tampere sind sich darüber im Klaren, dass die Studierenden heutzutage auf direkte, aktive Beteiligung und Anleitung während des Unterrichts Wert legen und dass klassische Vorlesungen alleine nicht mehr zeitgemäß sind. Die Hochschule Tampere hat nicht nur die Station für Self-Directed Learning implementiert, sondern Ende 2009 auch ein Simulationsintensivtraining in den Lehrplan für Krankenpflege aufgenommen. „Wir wollten die klassischen Lehrmethoden durch moderne Verfahren ergänzen – und zwar so, dass daraus ein optimaler Nutzen gezogen werden kann“, erläutert Seija Tiainen.

 

Simulation in weiteren medizinischen Disziplinen

Künftig wird auch für Rettungsassistenten, Hebammen, Pfleger und anderen medizinische Fachkräften ein Simulationstraining in entsprechenden Aufbaustudienprogrammen integriert.

 „Wir haben 2010 damit begonnen, daher stehen wir mit diesem Verfahren noch ganz am Anfang und finden ständig neue Bereiche, in denen wir Simulation testen möchten“, so Seija Tiainen. „Die Arbeit am neuen Lehrplan wird 2013 abgeschlossen, allerdings lässt sich schon jetzt sagen, dass unsere aktuellen Simulationen perfekt integriert sind. Wir setzen Simulation beispielsweise für problembasiertes Lernen in Orientierungs- und Klinikphasen ein.“

„Mit dem problembasierten Lernen (PBL) erhalten Studierende das Grundlagenwissen für die praktische Krankenpflege“, sagt Seija Tiainen. „Sie erstellen eine Lernaufgabe und lösen diese dann mit unterschiedlichen Methoden. Unserer Erfahrung nach ist simulationsbasiertes Training ein gut funktionierendes Instrument zum Erstellen und Erreichen der Lernziele.
PBL wurde bei uns bereits seit zehn Jahren eingesetzt. Die Methoden mussten wieder auf den neuesten Stand gebracht werden. Nun ergänzen wir unsere Vorlesungen und Workshops mittels Simulationstraining. Die Studierenden loben das neue Verfahren, da es ihnen ein ganzheitlicheres Lernen ermöglicht. Sie verlieren sich nicht mehr im Detail, sondern konzentrieren sich mehr auf die Zusammenarbeit im Team sowie auf den Bereich Ressource-Management, Kommunikation und Mitarbeiterführung. Auch die Debriefing-Sitzungen sind durch die neuen Techniken der Wissensvermittlung nützlicher geworden. Die Studierenden freuen sich immer darauf, praktisch arbeiten zu dürfen; ihrer eigenen Ansicht nach lernen sie dadurch am besten. Allerdings benötigen die Studierenden gute Kenntnisse des grundlegenden Lehrstoffs, bevor sie in das Simulationstraining einsteigen können.“

 

Positives Lernerlebnis

Seija Tiainen führt weiter aus: „Die Studierenden gehen mit dem Wunsch zu lernen an die Simulationsaufgaben heran. Sie haben keine Angst, Fehler zu machen, denn diese sorgen erst recht für bessere Lernergebnisse, indem Trainings wiederholt werden. Nach einer Simulation analysieren die Studierenden ihre Fehler sehr sorgfältig. Es gibt dafür viele Möglichkeiten. Man kann eine ethische Perspektive hinzuziehen oder protokollartig an die Fehler herangehen. Mehrere Gruppen arbeiten mit ein und demselben Szenario, dennoch geht es beim nachfolgenden Debriefing meist um sehr unterschiedliche Aspekte. Die Sitzungen entwickeln sich in den mehreren Gruppen sehr unterschiedlich. Das Debriefing komplettiert das Lernerlebnis auf positive Weise und bereitet die künftigen medizinischen Fachkräfte auch darauf vor, später im Klinikalltag Themen zur Diskussion zu stellen.“ Die positive Abschlussbemerkung von Seija Tiainen: „Es gab noch keinen Studenten, der behauptet hätte ‚Simulationstraining sei nichts für ihn‘.“