Die Fakultät für Krankenpflege, Geburtshilfe und Gesundheit (NMH) an der University of Technology in Sydney ist international renommiert
für ihre innovative und praxisorientierte Ausbildung in den Bereichen Krankenpflege und Geburtshilfe sowie Pflegedienstmanagement. In den Ausbildungsgängen
wird großer Wert auf eine evidenzbasierte Praxis gelegt, wodurch dem Institut in der australischen medizinischen Ausbildung eine führende Rolle zukommt.

Die Entwicklung begann 2005 mit der Entscheidung der Fakultätsdozentin Michelle Kelly, während eines Forschungsjahres eine Reihe
führender Lehr- und Lerneinrichtungen für Simulationstechnik in verschiedenen Ländern zu besuchen. Nach ihrer Rückkehr an die Hochschule
mit zahlreichen neuen Erkenntnissen im Gepäck warb Kelly um die Unterstützung der Fakultätsleitung bei der Einführung von
Simulationstechnologien in die Lehrpläne der NMH, womit ab dem Jahre 2006 begonnen wurde. Nach erheblichen Investitionen von Seiten der Hochschule und der Fakultät können die Studenten
heute in hochmodernen klinischen Praxis- und Simulationslabors arbeiten.

 

Studenten bereits praxistauglich

In nur fünf Jahren gelang es Kelly, die Fakultät dahingehend zu revolutionieren, dass immersive Simulationstechnologien
in jedem Studienjahr des neuen Studiengangs „Bachelor of Nursing“ zum Lernalltag gehören. Viele Mitarbeiter haben ihre Kursinhalte umgestaltet und nutzen mit großer Aufgeschlossenheit diese neuartige Lehrmethode.

In ihrer aktuellen Position als Direktorin für Simulation und Technologie beobachtet Kelly, dass Simulatoren und Simulationen entscheidend dazu beitragen, dass die Absolventen der Hochschule bestens für die Praxis am Arbeitsplatz gerüstet sind. Ganz besonderes Augenmerk wird in diesem Zusammenhang auf den Umgang mit dem Patienten und die Patientensicherheit gelegt: „Dank des Einsatzes der Simulation im Unterricht erwerben unsere Studenten die notwendige klinische Praxiserfahrung in einer sicheren und realistischen simulierten Umgebung. Das ist nicht nur wichtig für das Selbstvertrauen der Studenten, sondern zeigt ihnen auch auf, wie die anerkannten Regeln einer sorgfältigen Patientenversorgung in der Praxis auszusehen haben“, sagt sie.

Wie wichtig die Fakultät diese Aufgabe nimmt, wird an den Einrichtungen sichtbar: vier hochmoderne Geburtshilfelabors auf dem City-
Campus sowie ein Simulationslabor auf dem Kuring-Gai-Campus sind vollständig für eine realitätsnahe Simulation der verschiedensten klinischen
Szenarien eingerichtet.

Zu den Labors gehören verschiedene Kontrollräume, in denen Lehrkräfte oder technische Mitarbeiter die Patientenparameter ferngesteuert beeinflussen,
die Arbeit der Studenten beobachten und die Abläufe mithilfe von im Raum installierten Kameras und Mikrofonen digital aufzeichnen können. Die Aufzeichnungen werden zur Verfolgung
des Lernfortschritts verwendet und dienen in den zum Kurs gehörenden Auswertungssitzungen zur gezielten Vertiefung des Gelernten.

 

Verletzungssimulation

 

Schneller lernen

Kelly berichtet, dass das Lerntempo der Studenten dank Anwendung modernster Simulatortechnologie, insbesondere auch durch die Nutzung
audiovisueller Aufzeichnungen, erheblich beschleunigt werden konnte.

Außer im Erzeugen realistischer Simulationsszenarien schult die Fakultät ihre Labortechniker regelmäßig in der Nachstellung lebensecht wirkender
Verletzungen. „Wir bitten unsere Techniker recht oft, die Dummies so zu präparieren, dass wir einen Patienten mit Trauma oder Verbrennungen simulieren können. Die Studenten der Intensivpflege im dritten Studienjahr sind meist sehr erstaunt und beeindruckt, wie lebensecht die
Dummies und ihre Reaktionen auf sie wirken“, bekräftigt sie. Die Lehrkräfte der Geburtshilfe ihrerseits kreieren für ihre Studenten äußerst realistische
simulierte Geburtsszenarien einschließlich Post-partum-Situationen oder Komplikationen. 

 

Aktive Beteiligung der Studenten

Um die Anwendung von Simulationstechnologien in diesem Bereich noch aktiver zu propagieren, ist Kelly auch in einem Team
beratend tätig, das eine Simulationswoche für Studienanfänger der Krankenpflege vorbereitet und ausrichtet, in deren Rahmen 350 Studenten an interaktiven Simulationssitzungen teilnehmen werden. Für eine
Veranstaltung dieser Größenordnung ist etliches an Planung, Teamwork und Vorbereitung erforderlich.

Ebenfalls alles andere als trivial ist natürlich generell die Einführung neuer Technologien in eine etablierte Arbeitsumgebung. Michelle Kelly
weiß, dass manche Teilnehmer der Nutzung der Simulationstechnologie etwas skeptischer gegenüber stehen: „Viele erfahrene Pflegekräfte, die zur Fortbildung kommen,
müssen erst von der Interaktion mit dem Simulator überzeugt werden. Sie wenden zunächst ein, die Situation entspreche nicht der echten klinischen Praxis. Aber sobald sie sehen, was die Dummies können, sind sie beeindruckt, vor allem wenn der ‚Patient‛ zu sprechen beginnt und sie viele
der physiologischen Parameter messen können“, sagt sie.

Kelly beobachtet, dass die Nutzung von Simulationstechnologie für die unterschiedlichsten Gruppen von Lernenden von Vorteil sein kann:
vom frischen Schulabgänger bis hin zum ausländischen Studenten, der eine australische Qualifikation erwerben möchte. „Lernaktivitäten, an denen die Teilnehmer aktiv mitwirken,
sind sehr effektiv. Und Simulationsübungen, denen eine Auswertung und Reflektion unter fachlicher Leitung folgt, sind anderen Lernmethoden offensichtlich überlegen. Auf jeden Fall bleiben sie besser im Gedächtnis“, sagt sie.