Bevor wir beginnen: Ein neuer Trend in der Simulation
Das zunehmende Verständnis, dass „Systemversagen“ nicht auf das Fehlverhalten Einzelner, sondern auf Schwachstellen in Abläufen und Systemen zurückzuführen ist, hat die Entwicklung eines neuen Paradigmas in der Simulation vorangetrieben: die translationale Simulation.
Translationale Simulation bezeichnet den Einsatz von Simulation, um reale klinische Systeme, Prozesse und Umgebungen zu identifizieren, zu testen und gezielt zu verbessern, um die Versorgungsqualität und Behandlungsergebnisse zu optimieren.
Ein zentrales Element der translationalen Simulation ist die In-situ-Simulation, also Simulation, die direkt in der realen klinischen Umgebung stattfindet. Indem „die tatsächliche Arbeitsweise“ statt der „vorgestellten Arbeitsweise“ getestet wird, hilft die In-situ-Simulation dabei, latente Sicherheitsrisiken (Latent Safety Threats, LSTs) aufzudecken.
LSTs werden oft als „Unfälle, die nur darauf warten zu passieren“ bezeichnet. Dabei handelt es sich um verborgene Schwachstellen in Ausstattung, Umgebung oder Prozessen, die häufig unbemerkt bleiben, bis sie zu einer Gefährdung von Patienten beitragen.
„Das Besondere an der In-situ-Simulation ist, dass sie medizinischen Teams ermöglicht, genau dort zu trainieren, wo es darauf ankommt: in ihrer eigenen klinischen Umgebung und unter realen Bedingungen,“2 erklärt Dr. Jens-Christian Schwindt, Neonatologe.